Auszug aus:

„Empfehlungen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit autistischem Verhalten"

Herausgeber: Ministerium für Kultus und Sport Baden-Württemberg – August 1988 ©


Punkt IV.
Ergänzende Hinweise für Schulen

Kinder mit autistischem Verhalten haben das Recht, die Schule zu besuchen, deren Bildungsstand ihrem Leistungsvermögen entspricht.

Dieser Rechtsanspruch kann nur eingelöst werden, wenn die Schule in der Gestaltung des Unterrichts und ihrer organisatorischen Struktur flexibel ist und den Mut zu unkonventionellem Handeln hat.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie auftretenden Schwierigkeiten flexibel begegnet werden kann:

Wenn der Schüler mit autistischem Verhalten einzelne Leistungserwartungen nicht erfüllt, darf das nicht vorschnell zu entsprechenden Bewertungen führen.

Es ist zu unterscheiden zwischen Leistungen, die innerhalb des Bildungsganges notwendig und damit unverzichtbar sind und solchen, die sich mehr im formalen Bereich der Leistungen bewegen, wie z. B. Schrift.

Es ist in erstem Fall zu überprüfen, ob die geforderte Leistung möglicherweise außerhalb des unterrichtlichen Rahmens erbracht wird, z. B. im Elternhaus. Das müsste bei der Leistungsbeurteilung berücksichtigt werden.

Im zweiten Fall sollte die dem Schüler mögliche Darstellungsform akzeptiert werden, z. B. durch das Zugestehen größerer Heftformate und Lineaturen.

Da dem Schüler mit autistischem Verhalten bestimmt elementare Erfahrungen fehlen können, so im sozialen Bereich, müssen gegebenenfalls entsprechende Leistungslücken toleriert werden. Bei Aufsätzen zum Beispiel sollte ihm in diesem Fall ein anderes Thema gestellt werden.

Insoweit wie sich der Schüler aufgrund seiner Besonderheiten nicht an bestimmte räumlich - zeitliche Ordnungen halten kann, sollte man ihm hier entgegenkommen. So kann es zum Beispiel sinnvoll sein, ihm während der großen Pause den Aufenthalt im Klassenzimmer zu gestatten.

Notwendige personelle oder organisatorische Änderungen wird der Schüler mit autistischem Verhalten umso besser verkraften, je früher er davon erfährt und sich darauf einstellen kann.

Die Eingliederung in die Klassengemeinschaft hängt wesentlich davon ab, ob es gelingt, im Lehrerkollegium, bei den Mitschülern und deren Eltern Verständnis für die besondere Situation dieses Schülers zu wecken.


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letztes Update: 05.01.2005

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